Das Projekt „Mein Lebensplan“

Selbstbewusst in eine bessere Zukunft

Ziel des Projektes ist es, das von der Gewalt zerstörte soziale Gefüge wiederherzustellen. Es geht um Selbstmotivation, Teamgeist, Höflichkeit und Durchhaltevermögen. Viele erfahren zum ersten Mal in ihrem Leben Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Als Pfarrer Octavio Cruz, Leiter der MISEREOR-Partnerorganisation Caritas San Salvador, das Konzept zu „Mein Lebensplan“ zum ersten Mal las, war er sofort angetan: „Es ist nicht nur praxisorientiert, sondern persönlichkeitsbildend. Die Methodik ist abwechslungsreich und partizipativ.“

Das Programm setzt darauf, jungen Menschen durch Spiele, Austausch und gemeinsame Unternehmungen ihren Selbstwert bewusst zu machen. Die Methoden und Maßnahmen stärken das Gemeinschaftsgefühl und das Selbstbewusstsein. Den Jugendlichen wird deutlich, dass sie in ihrer Lage nicht allein sind, sondern Unterstützung bekommen und diese auch geben können.

Zusätzlich dazu gibt es einen dreimonatigen, kostenlosen und für alle interessierten Jugendlichen offenen Kurs. Dort wird besprochen, wie man einen Lebenslauf verfasst, sich beim Vorstellungsgespräch präsentiert oder eine einfache Buchhaltung gestaltet. Wenn sich Jugendliche selbstständig machen wollen, arbeiten sie einen Geschäftsplan aus und bekommen zur Probe ein kleines Startkapital von fünf US-Dollar, das bei Erfolg auf 150 US-Dollar aufgestockt werden kann.

„An dem Programm teilzunehmen, war der größte Segen meines Lebens. Durch das Programm habe ich gelernt, meine eigenen Mauern einzureißen.“
Rosa Ramirez, Teilnehmerin MNPV

75 % der Jugendlichen finden nach Abschluss des Kurses einen Ausbildungs-, Arbeits- oder Studienplatz oder machen sich selbstständig. Das ist eine stolze Quote in diesem Land. Für diejenigen mit weniger Unternehmergeist hat das Projekt Partnerschaften mit Unternehmen wie Hotels und Handelsketten. Dort sind die Absolventinnen und Absolventen begehrt. Rund 300 Jugendliche haben mittlerweile ein Diplom der „Lebenspläne“ und tragen stolz das T-Shirt mit der Aufschrift „Ich bin ein Sozial- Transformer“. Viele engagieren sich nach dem Abschluss als Freiwillige in dem Programm und geben so ihre Erfahrungen weiter.

Die Fabel von der Schildkröte

Ein paar kecke Jugendliche wollten den Weisen im Dorf auf die Probe stellen. Sie suchten ihn auf und brachten eine winzige Schildkröte mit. Einer von ihnen nahm die Schildkröte in die Hand, verschränkte die Arme hinter dem Rücken und forderte den Weisen, auf zu erraten, ob die Schildkröte tot oder lebendig sei. Er wollte den Weisen hinters Licht führen und die Schildkröte zerdrücken, wenn dieser „lebendig“ sagte. Doch der Weise schmunzelte nur und antwortete: „Das liegt ganz in euren Händen.“

Diese Geschichte erzählen die Anleiterinnen und Anleiter zu Anfang des Kurses und stellen dabei eine Stoff-Schildkröte auf den Tisch. Diese Schildkröte symbolisiert Besonnenheit und Selbstbestimmtheit und wird fortan in den Gesprächsrunden immer demjenigen in die Hand gegeben, der gerade etwas vorträgt.


Mach mit bei der Spendenaktion!


Miguel Vasquez

Miguel ist in zerrütteten Verhältnissen groß geworden. Als er zehn Monate alt war, trennten sich seine Eltern und kümmerten sich nicht mehr um ihn. Mit sechs Jahren kam er zu seinem Großvater. Er war unterernährt, verwahrlost und rebellisch.

In der Schule wurde er ausgegrenzt und geschlagen, weil er sich keiner Bande anschließen wollte. Er schaffte gerade so das Abitur. Für eine Ausbildung fehlte ihm das Geld. Aus Verzweiflung und Perspektivlosigkeit war er kurz davor, einer Jugendbande beizutreten. Da hörte er vom Projekt.

Heute spricht er von der „besten Entscheidung meines Lebens“. Im geschützten Raum der Kirche unter motivierten Gleichgesinnten blühte er auf und entfaltete Kreativität. Er arbeitet jetzt in der Familienbäckerei seiner Tante und in einem Hotel. Sein Chef im Hotel ist sehr zufrieden mit ihm: „Er ist wie die meisten Jugendlichen aus dem Programm sehr motiviert, lernbereit und dienstfertig“, lobt er.

Rosa Ramirez

Rosa ist mit ihren fünf Geschwistern in einfachen Verhältnissen groß geworden. Wegen ihrer Behinderung wurde ihr oft gesagt, dass sie es ohnehin zu nichts bringen würde. Nachdem sie die Oberstufe abgeschlossen hatte, blieb sie zu Hause und half im Haushalt. Um sich eine Arbeit zu suchen, fehlte ihr der Antrieb. Über eine ehemalige Lehrerin bekam sie dann den Flyer von „Mein Lebensplan“.

„Durch das Programm bin ich ein neuer Mensch geworden.“ Rosa hat ihre Schüchternheit abgelegt und kann nun auf Menschen zugehen. Auch wenn die spielerischen Übungen für sie nicht einfach zu meistern waren, wollte sie es unbedingt schaffen. Und das hat sie auch.

Mit dem Geld aus dem Projekt hat sie eine kleine Hühnerzucht aufgezogen, mit der sie ihre Familie unterstützt. Über einen Besuch bei einer Jobbörse für Menschen mit Behinderung hat sie eine Anstellung in einem Baumarkt bekommen. Dort gefällt es ihr sehr gut, doch sie träumt von einem Studium, auch um ihre Eltern noch besser unterstützen zu können.